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Sommerlager in Mecklenburg-Vorpommern

- 10. bis 30. August 1996 -

Das diesjährige Sommerlager führte uns nach Mecklenburg-Vorpommern, genauer gesagt nach Charlottenhof im Landkreis Parchim. Schon bei der Ankunft auf dem Lagerplatz waren wir hoch erstaunt, denn der VW-Bus, den wir gemietet hatten, war tatsächlich angekommen, schließlich war er doch bis unters Dach vollgepackt und endlos überladen.

Fachjueri begutachtet den Aufbau der Frauen-Jurte (3.8 kB)Der Aufbau verlief zügig und wir lebten uns auch recht schnell ein. Wegen der großen Hitze haben wir uns auch gleich am ersten Tag die nötige Erfrischung am See, direkt hinter dem Wirtshaus gelegen, verschafft. Die nun folgenden Tage gingen eigentlich mit Geländespielen reichlich bestückt, ins Land und wie auf fast jedem Lager in die unberührte Natur. Obwohl das Wetter nicht gerade das aller schönste war, es fielen von Zeit zu Zeit schon mal ein paar Tropfen, war die Stimmung keinesfalls am Sinken. Nein, die Stimmung war total super.

Am Donnerstag gingen wir mit dem ganzen Stamm nach Dammerow, wo wir die nächste Nacht verbringen wollten. Am Abend wäre normalerweise noch eine Vorstellung eines Indianers gelaufen, aber es blieb bei einer Bohnensuppe aus Dosen, die kurz über dem Feuer erhitzt wurde. Jedem normalen Menschen sollte das beeindrucken, aber wir Pfadfinder sind mit Aktionen wie "über dem Feuer kochen" nicht mehr in Begeisterungsstürme zu versetzen. Zumal die Mahlzeit jeden indianischen Charakter verlor, als der Indianer uns zum trinken 50 Dosen Cola gab.

Nun gut, am nächsten Morgen lief dann die versprochene Vorstellung vom Pferd springen und Speere werfen (wobei das Treffen nicht immer gesichert war). Normalerweise wäre ja alles viel besser gewesen und normalerweise hätte seine Frau die Ringe gehalten, und normalerweise... normalerweise... normalerweise... (es schien das Lieblingswort des Indianers gewesen zu sein). Also gingen wir mit diesen "normalerweise" sehr schönen Eindrücken zum Platz zurück, um uns von diesen Kulturschock zu erholen.

Das nächste große Erlebnis war dann der Hajk. Drei Gruppen fuhren Kanu auf der Müritz und auf anderen Binnengewässern, und die restlichen zwei Gruppen liefen, wie es früher immer üblich war. Am "Hajk-Montag" wurden nun aber die drei Kanugruppen an ihre Startort gefahren und danach die restlichen Gruppen.

Da der Lars aber schon mit einer Kanugruppe nach Goldberg (die Stadt der drei Lügen: kein Gold, kein Berg und keine Stadt; wie ein einheimischer Busfahrer zu berichten wusste) gefahren, um dort einzukaufen. Der Rest der Gruppe, in der auch ich mit meiner Sippe lief, wurden erst fünf Stunden später nach Goldberg gefahren. Lars musste deshalb sehr lange warten und war deshalb sichtlich genervt, als wir dann schließlich ankamen.

Ich vergaß gänzlich zu erwähnen, dass der Lars wenige Tage vor dem Hajk seine Hand in ein Beil gesteckt hatte. Er hatte keine Probleme das Ergebnis festzustellen und lief den Rest des Lagers mit einen Verband durch die Weltgeschichte.

Nun, Ihr kennt schon einen Teil der Hajkgruppe: Als, da waren Lars und seine Sippe, Daniel, die Sippe Biber und ich mit meiner Sippe. Das heißt zehn Leute an der Zahl und damit eine ganze Menge für eine Hajkgruppe. Trotzdem fanden wir jede Nacht eine Unterkunft. In der ersten Nacht schliefen wir unweit von Goldberg in einer ehemaligen, verlassenen Kaserne der NVA. Doch noch an diesem Abend sollten wir noch prächtig unterhalten werden, denn während wir beim Kochen saßen, rollte die Feuerwehr mit drei großen Wagen an, um eine Übung an einer der Baracken, zum Glück nicht an "unserer", durchzuführen. Der Rest des Abends verlief dann ohne Zwischenfälle und wir konnten beruhigt in die Schlafsäcke fallen.

Am nächsten Tag ging es durch eine sehr schöne Landschaft, ein Teil eines Naturparks, bis nach Alt Sammit, wo wir in einen Zelt, das von einen längst vergangenen Dorffest, auf dem Dorfplatz stand, schlafen konnten. Dummerweise war ich ungefähr zehn Meter vor unserer Unterkunft mit all meinem Gepäck, immerhin 25 Kilogramm, umgeknickt. Der Fuß schmerzte schließlich so, dass ich nicht mehr laufen konnte, aber bis zum Zelt war es nicht mehr weit. Eine Nacht darüber geschlafen, ging es am nächsten Morgen schon viel besser, obwohl ich immer noch humpelte, was jedoch nicht anders zu erwarten war.

Jetzt hatten wir zwei Invaliden in einer Gruppe und auch Daniel hatte Beschwerden mit seinen Fuß, was allerdings das Resultat eines Autounfalls war.

Grillabend waehrend des Hajks (3.5 kB)Die restlichen Tage gingen ohne Probleme über die Bühne. In der einen Nacht haben wir in einer Scheune in Bossow, einer Siedlung mit höchstens 40 Einwohnern, übernachtet. Die nächste Nacht haben wir schließlich nach langen Suchen eine Unterkunft in Penzlin gefunden. Als Entschädigung für das lange Suchen konnten wir in einen Schloss schlafen. Nun gut, über die Bezeichnung "Schloss" für ein solches Gebäude läßt sich streiten, aber immerhin hatten wir es am nächsten Tag nicht mehr so weit zum Treffpunkt, wo wir uns mit der anderen Hajkgruppe trafen. Am besagten Tage gingen wir schon um neun Uhr an den Penzliner See, wo wir uns die Zeit mit Sandburgen bauen und gründliche Körperreinigung vertrieben.

Um 15 Uhr kam dann auch die andere Hajkgruppe mit Peter, den Ex-Pinguinen , Markus und seiner Sippe.

Gegen 23 Uhr abends liefen wir von Penzlin aus zu unseren Lagerplatz, weil wir erst am Samstag zurückkommen sollten (Was wir dann auch taten). Und so war auch der Hajk der Höhepunkt des ganzen Lagers, von dem man viele Eindrücke mit nach Hause nehmen kann.

Die letzte Lagerwoche war mit Planschtag und Gelände wieder eine ganz normale Woche, wobei das "Zonenspiel" (eine spielerische Rekonstruktion der Wende 1989) noch einmal lobenswert zu erwähnen ist.

Badespass in der Ostsee (3.4 kB)Am Dienstag dieser Woche waren wir in Rostock. Trotz Restaurierungsarbeiten an vielen Stellen der Stadt kann man ruhigen Gewissens sagen, daß es sich sehr gelohnt hat, Rostock zu besuchen. Es ist eine sehr schöne Stadt. Anschließend ging es nach Warnemünde zum Strand. Einige Unerschrockene wagten sich in die kalten Fluten, während die anderen am Strand gigantische Strandstädte zu bauten, mit allen was dazu gehört: Burg, Kirche, Bahnhof, Friedhof, McDonalds und Flughafen.

Der krönende Abschluss des Lagers war wie immer der Abschlussabend mit anschließender Aufnahme. Obwohl es bei der Aufnahme einige Kommunikationsprobleme gab, die allerdings nur für eingeweihte zu erkennen waren, war sie eine der schönsten Aufnahmen die wir je hatten.

Nach all diesen tollen Erlebnissen kann man nur sagen, dass dieses Sommerlager das schönste nach Schweden war.

Christoph Ott

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Stand: 01. Nov 1996 // Schinderhannes online / Übersicht / Erinnerungen / erinn-02.htm -