![]() |
![]() |
Wie für einige andere Gruppen begann das
Landeslager für die Techniker etwas früher. Genauer gesagt eine
Woche früher. Am 27. Juli 1997 traf man sich im "Bunker" von Bodenrod,
ein kleines Dorf mitten im Taunus bei Usingen, um das Material für
Großbauten, sanitäre Einrichtungen, Programm und der zentralen
Verpflegung in jeweils zwei LKWs mit je einen Anhänger zu Verladen.
Da dieses mal das Lager außerhalb der derzeitigen EU stattfand, mussten
einige Vorbereitungen für den Zoll getroffen werden. So musste jede
Schraube in ein sog. Cannae, ein Dokument zum passieren der Grenze, eingetragen
werden und dabei durfte nichts vertauscht werden.
Gegen Abend ging es dann in Richtung Osten los. Die schnellsten erreichten das Ziel nach rund vier einhalb Stunden, inklusive ein Zwischenstopp beim McDonalds in Chemnitz, während die letzten rund 10 Stunden brauchten. Die erste Nacht, oder besser den Rest davon verbrachten wir im Rathaus von Bozi Dar. Ein Frühstückbuffet mit Hörnchen und Kaffee gab es in einen benachbarten Hotel.
Etwa 7 km von Bozi Dar war eine Hochebene, die
im leichten Linksbogen etwa 1 km lang zog. "Da soll das LaLa stattfinden?"
waren von vielen die ersten Kommentare.
Das Material wurde ausgeladen und die ersten Zelte schnell aufgestellt. Danach folgten die Wasserversorgung und das Fundament der Qulinaria, der LaLaSupermarkt. Ruckzuck wurde es wieder dunkel, um die Küche war kalt, weil es Probleme mit den Gasflaschen gab. Na ja, noch waren die Kassen gefüllt und wir waren Schnitzel essen gegangen.
Am nächsten Morgen gab es ein kaltes Erwachen, denn das Wasser in den Tankwagen war brrrrrrr..., jetzt wussten wir, womit wir die nächsten drei Wochen uns Waschen konnten.
Das Lager wuchs und wuchs wie ein kleiner, gut
ernährter Tamagotchi, doch die Arbeit wollte nicht Enden: Irgend etwas
hatten wir vergessen. Richtig, ein Dachgiebel für den Supermarkt fehlte.
Zum Glück gibt es Handy und UPS. Einen Tag später kam die heiß
ersehnte Fracht und das Zelt konnte fertig gestellt werden.
Andere Länder andere Straßen könnte ein weiteres Motto für das Lager sein. Den Anfang machten der Wetterauer LKW. Während den drei Wochen wurden insgesamt zwei LKWs , ein VW-Bus und vier Autos aus den Straßengraben gezogen werden. Eine nicht leichte Angelegenheit!
Die Oase war unser Sorgenkind, der Aufbau von 6 Jurten gestaltete sich schwieriger als geplant. Mindestens vier Leute waren rund drei Tage mit der inneren Jurte beschäftigt, die in ein Fünfeck eingebaut werden sollte. Mit viel Glück und Flutlicht wurde sie doch noch rechtzeitig fertig. Weiterhin wurden mehrere Programmzelte, das Ranger-Rover-Zentrum, eine Lagerkirche und das internationale Zentrum aufgebaut.
Zum Abend des 2. August konnte man sagen, auch wenn wir nicht ganz fertig waren, das Landeslager konnte beginnen. Dies mußte natürlich mit einen Festessen in Bozi Dar bedacht werden.
Der Morgen des 3. August begann mit einen Überfall: Eine Militäreinheit in Tarnanzügen betrat gegen 6 Uhr den Platz und einer brüllte lauter unverständliche Kommandos: Die Gäste aus Polen sind gekommen und damit war die Ruhe vor den (An-) Sturm zu Ende.
Recht schnell war der Platz mit vielen Zelten übersät und viele waren mit den Treffen alter Freunde beschäftigt.
Jetzt kam die Zeit, bei der die Arbeit der Technik
im Grunde genommen getan war, wenn man von kleineren Sachen wie Abwasser
entsorgen, Batterienladen und Zeltenachspannen absehen kann. Damit aber keine
Langeweile aufkam, fingen wir an, aus Resten kulturelle und künstlerische
Hochleistungen aufzubauen. Der erste Springbrunnen zwecks Luftbefeuchtung
im Zelt entstand.
Doch etwas hielt uns während des Lagers auf Trab: Der "Generatorenkonflikt"! Wir hatten drei kleine Generatoren dabei, um für die Großveranstaltungen wie Eröffnungsfeier, Gottesdienst, und Abschlussabend für die Beschallung den nötigen Saft zu liefern, da der Platz kein Stromanschluss hatte. Jedoch sind diese Generatoren weder für PC-Betrieb und Dauereinsatz geeignet. Die Folge war ständiger Stromausfall und genervte Leute des Büros, der Presse sowie der Qulinaria, da PC abgestürzt war..
Gegen Ende der zweiten Woche bescherte uns ein
kleines großes Gewitter etwas Arbeit. Nach gut zwei Stunden Sintflut
standen fast alle Zelte unter Wasser, da der Boden durch die Hitze der letzten
Tagen völlig ausgetrocknet war. Spaten waren in dieser Zeit sehr gefragt,
um Abflüsse zu schaffen. Die Oder ließ grüßen. Zur
Krönung gab es den größten Stromausfall, dessen Reparatur
über 6 Stunden hinzog.
Belohnt wurde diese Arbeit mit einer Fahrt nach Prag, bei der die meisten das Kulturelle mit dem Kulinarischen getauscht hatten.
Als nach rund 10 Tagen das Lager zu Ende neigte, war uns allen klar, das wieder sehr viel Arbeit anstand. Schließlich mußte der Lagerplatz einigermaßen in den Naturzustand zurückversetzt werden und das Material zollgerecht sortiert werden. Recht schnell fielen alle Zelte und andere Großbauten, allerdingst brauchte das Einpacken des Material lange. Zum Glück war es trocken, so dass keine feuchten Planen eingepackt werden mussten. (Feuchte Planen fangen relativ schnell an zu Schimmeln.)
Weiterhin wurde das Stangenholz (über 600 Stangen!) zurück sortiert und ein großen LKW mit Paletten voll Beladen. Dank der freundlichen Hilfe einer französischen Gruppe, die nach dem Lager noch auf den Platz anwesend waren, ging diese Arbeit recht schnell.
Zum Abschlussabend gab es neben Kassler mit Sauerkraut und Hopfenblütentee ein sehr großes Lagerfeuer, schließlich mussten knapp eine Tonne Holzreste verbrannt werden. Dann hieß es für die meisten Abschied nehmen, ein Großteil war in Richtung Heimat aufgebrochen...
Marc Forkmann