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- Der Hajk - traumhafte Bilder - Schottlandinfos - Tipps und Tricks -

Von Trockenhajkern und Warmduschern

- 18. Juli bis 10. August 1998 -

Es war am Sonntag spät am Abend, als der Reisebus nach einer langen Fahrt am Lagerplatz zu Loch Brora halt machte. Wir waren angekommen und wie es Schottland nicht anders üblich ist, es regnete. Schnell wurde das Material mit einem Landrover durch den Sumpf auf dem Lagerplatz gefahren, damit man zügig aufbauen konnte.
Um den Lagerplatz zu Fuß zu erreichen, musste man einen schmalen Pfad und eine kleine Holzbrücke am Sumpf vorbei nehmen.

Noch bevor die Sonne unterging, standen die Kohten, damit zumindest die Sipplinge ein trockenes Dach hatten. Kurze Zeit später waren die beiden Roverjurten bezugsfertig und die erste Nacht im Schottland konnte beginnen.

Am nächsten Tag wurden die Küche und die große Versammlungsjurte fertig gestellt. Erste Erkundungen der näheren Umgebung fanden statt. "Ah ha, es gibt warme Duschen...", damit waren für die meisten der Tag gerettet. Für sportliche Aktivitäten wurden in Laufe der Woche noch ein Fußballplatz und eine Sauna aufgebaut, wobei die Sauna, eine Kohte mit ein kleines Feuer im inneren, den thermischen Belastungen nicht stand hielt.

Man hatte sich diesmal vorgenommen, weniger Programm zu fahren, damit man die Natur und das Lagerleben besser genießen kann. Und deshalb waren nur ein Ausflug und ein Orientierungsspiel vor dem Hajk, der am Freitag beginnen sollte, geplant. Der Ausflug sollte zum Carrel-Rock führen, doch hatte man die Entfernung unterschätzt und man landete in ein kleinen Tal und machte dort gemütlich Mittag. Danach ging es mit vollem Magen wieder zurück.

Für den nächsten Tag war ein Orientierungsspiel angesagt. Schließlich musste man fit für die Highlands gemacht werden. Von einen Posten zum anderen musste man dann mit Hilfe von Karte und Kompass gelangen.

Mit dem Wochenende wurde es Zeit für den Hajk. Bis auf vier Leute haben alle den Platz verlassen, um in den Highlands die unendliche Weite und die vielen Wasserlöcher kennen zulernen.

Am Dienstag Nachmittag der zweiten Woche kam ich als einziger nachkommender Inverness an, dort hatten mich Ilka, Sarah und Ralf am Bahnhof abgeholt. (Ich konnte nicht mit den Bus fahren, weil sich kurzfristig ein wichtiger Termin ergeben hatte und deshalb bin ich nachgeflogen.) Gleich im nächsten Supermarkt trafen wir deutsche Pfadfinder, die am Loch Ness ein Lager hatten. Vollgepackt mit Lebensmittel ging es dann zum Lagerplatz, bei echt schottischen Wetter, wo uns Fabian im gelben Regenmantel begrüßte.

Am nächsten Morgen wurde Sarahs Fuß in Brora beim Arzt untersucht, sie war barfuß auf einen Hering getreten. Soweit war alles o.k., und dann sind wir zu Dunrobin Castle in der Nähe von Goldspie gefahren. Der Eintritt war nicht gerade billig, aber der Besuch hatte sich gelohnt. Alle Zimmer waren voll ausgestattet und man träumte vom Himmelbett. Der Duke von Sutherland hatte wohl sehr viel Geld. Ausgerechnet auf der Toilette war die Heimat nicht mehr fern. Ein altes Bild vom Jagdschloss Platte mit den Titel "Wiesbaden and the Enviromens" war dort aufgehängt. Wie das Bild dahin kam, konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Als wir heimfuhren, waren die ersten Trockenhajker schon da. Ihnen war alles naß geworden. Nass war auch das Wasser im Loch Brora, und dieser stieg im Laufe des Tages durch die vielen Regenfälle gewaltig an, soweit, dass man zum Waschraum nicht mehr per trockenem Fußes an kam. Streckenweise stand der Pfad unter Wasser.

Am Donnerstag in der zweiten Lagerwoche trafen die restlichen Hajkgruppen ein und der Wasch- und Trocknungstag begann. Rund um das Lagerfeuer standen viele nasse Wanderschuhe. Wer trockene hatte, war in der Minderheit.

Zum zweiten Wochenende ging es sehr sportlich zu. Die Highlandsgames wurden abgehalten. Bevor sich die Mannschaften in Baumstammweitwurf, Stein werfen, Kochtopfumrunden, Menschen tragen, Sandburgen bauen und Schafe fangen messen konnten, mu0ten die Mannschaften ein eigenes Wappen, eine Motto und ein Spruch ausdenken. Eine Mannschaft benutzte sogar den Rücken eines Mitspielers.

Am Sonntag war frühes Aufstehen angesagt, ein sehr frühes: Weil das Wetter gut war, wurde eine Aufnahme auf einem Plateau in der Nähe der Lagerplatzes mit einem herrlichen Ausblick über das Tal abgehalten. Natürlich waren alle um 4 Uhr morgens völlig übermüdet, vor allem, weil das eine Überraschungsaktion war. Die Sonne ging auf und für 4 neue Pfadfinder begann ein besonderer Tag. Danach war zurecht Ausschlafen angesagt.

Am Montag in der dritten Lagerwoche sollte es nach Brora gehen, um dort die Whiskeybrennerei und das Meer zu besuchen, doch am diesem Morgen wollte der Regen keine Pause machen. Die Gedanken vom nassen Hajk kamen auf und keiner wollte gerne die 12 km nach Brora laufen. Als am Nachmittag der Regen sich allmählich legte, wurde eine kleine Wanderung ins Nachbartal veranstaltet. Nur mal zum "Rübergucken", doch ein Regenbogen wies uns den Weg zu ein altes, verlassenes Haus, wo eine Eule noch wohnte.

Für den folgenden Tag war der Besuch der schottischen Scouts angesagt. Schnell wurde der Lagerplatz auf aufgeräumt und auf Vordermann gebracht. Wie es sich gehört kamen sie in Tracht und den obligatorischen Schottenröcken. Wer wollte, durfte den Kilt mal anprobieren und eine besondere Modenschau nahm ihren Lauf. Für alle die wissen wollen, was man unter dem Kilt trägt, hier die Antwort: Natürlich nichts! Bei der schottischen Armee ist das Tragen von Unterhosen verboten und ansonsten gibt man nicht zu, falls man doch etwas unten drunter hat.

Das Wetter wurde am Mittwoch der dritten Lagerwoche besser und alle marschierten teilweise über der Straße und quer durch die Highlands zur Destillerie bei Brora. Ein obligatorischer Besuch der Clynelish Destillerie (sprich kleinlisch) folgte, wobei nur die volljährigen einen Schluck des 24jährigen Single Malts bekamen. Etwa fünf Prozent der hochprozentigen Flüssigkeit vertreibt die Destillerie selbst, der Rest geht u.a. an Jack Daniels oder an Jim Bin.
Nach einem Lunch ging es dann weiter zum Meer. Ins Wasser trauten sich die wenigsten, obwohl die Nordsee recht warm war. Danach ging es, über einen Supermarkt, zurück zum Zeltplatz.

Der letzte Tag rückte immer näher und es gab viel zu tun. Vor allem fehlte es an Holz für das Lagerfeuer am Abschlussabend, doch Bäume waren Mangelware. Dank einer größeren Expedition konnte dennoch das Holz beigeschafft werden und der Abschlussabend war gerettet. Nach einem Festessen gab es die Show "Flitterabend", die Potti moderierte. Das Siegerpaar gewann eine Heimreise mit Engelhardt Touristik. Danach folgte ein Liederabend bis zum Morgengrauen.

Am Tag des Abbaus war das Wetter sehr kooperativ, es regnete nicht. Nasse Planen müssen mühsam in vielen Garagen getrocknet werden. Auch der Rest war schnell gepackt, so dass wir gegen 18 Uhr in Richtung Heimat aufbrechen konnten.

Nach einer Nachtfahrt stand noch ein Besuch in York an. Weil die Küchenvorräte aufgebraucht wurden, war das erste Ziel ein Supermarkt, wo hinterher auch noch auf dem Parkplatz das Frühstück stattfand. Danach teilten sich die Gruppen auf und machten Yorks Innenstadt unsicher.

Am Nachmittag ging es dann weiter nach Hull zur Fähre, die uns nach Rotterdam brachte. Am Sonntag gegen 15 Uhr waren wir in Taunusstein angekommen...

Marc Forkmann

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Stand: 19. Aug 1998 // Schinderhannes online / Übersicht / Erinnerungen / erinn-14.htm -