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- Bilder von der Polenfahrt -

Brutos, Dorfvorsteher auf vier Beinen, berichtet aus Polen

- 26. Juli bis 12. August 1999 -

Brutos, der Dorfhund (3.4 kB)Hallo Leute, mein Name ist Brutos und ich muss euch unbedingt erzählen, was mir diesen Sommer wiederfahren ist.
Ich lebe in Gradzkie, einem kleinen Dorf in der Nähe von Gizycko, welches mitten in der masurischen Seenplatte (Polen), liegt. Eigentlich ist das Dorf gar nicht so klein. Es zieht sich ein ganzes Stück an einem hübschen See entlang und hat auch noch ein paar Höfe verstreut im Hinterland. Alles in allem gibt es hier bestimmt tausend Bewohner. Fast zweihundert davon sind Menschen, weiterhin gibt es auf jedem Hof einen Hund, sowie viele dieser nervigen Katzen. Natürlich gibt es auch noch Kühe, Gänse, Truthähne, Enten, Störche und so weiter...
Nun also eines Tages, ich hatte gerade meinen Rundgang durch das Dorf vollendet und döstete im Schatten auf meinem Hof so vor mich hin. Ich meine den Hof auf der Halbinsel, mit den vielen Truthähnen und Gänsen, denn dort kann man so gut relaxen und es gibt immer was zu sehen. Äh, was wollte ich sagen ?

Aufbau einer Jurte (2.6 kB)Ach ja, ich lag da so schön im Schatten und auf einmal kam so ein komisches Ding auf den Hof gekrochen. Also das war ja was..! So ein riesiges kastenförmiges Teil mit Rädern drunter. Haltet mich nicht für blöd, es war kein Traktor und auch nicht so ein Anhänger, das Zeug kenne ich. Nein es war wirklich viel größer. Das muss so eine Art beweglicher Behälter für Menschen gewesen sein. Denn kaum stand das Ding endlich im Hof, da quollen Menschen raus und die waren vielleicht komisch. Die haben gelacht und sich geschüttelt, als wären die gerade nass geworden und haben sich neugierig umgeguckt. Und dann haben sie mich entdeckt. Ganz komisch haben die sich Verhalten. Die haben mich doch tatsächlich gestreichelt, waren lieb zu mir und haben in ihrer komischen Sprache vor sich hin gebabbelt. Nachdem die sich wieder beruhigt hatten, haben die angefangen Unmengen Material aus dem "Ding" heraus zu holen. Und als es endlich leer war, ist es wieder vom Hof gekrochen und hat die Leute zurückgelassen. Die waren daraufhin ganz verwirrt, haben ihr Zeug genommen und wollten dem Ding hinterher. Allerdings sind die doch glatt in die falsche Richtung gelaufen und haben auch gleich hinter dem Hof aufgegeben. Mitten auf einer Wiese, die um die 500 Schritte vom Hof weg ist. Keine Ausdauer, diese Menschen!
Und als die sich von dem Schrecken erholt hatten, haben die begonnen so komische Stoffdinger auf zu bauen. Kleine und große, aber alle waren schwarz. Ganz schön unpraktisch im Sommer kann ich euch sagen. Dank meinem schwarzen Fell weiß ich das ziemlich genau. Obwohl, Schatten gaben diese schwarzen Dinger schon.

Peter kocht (4 kB)Na ja, dann fing für drei Wochen das lustige Leben an. Auch wenn ich, wie immer, jeden Tag das Dorf kontrolliert habe, war ich meistens bei den Leuten auf der Wiese, weil da immer irgendwas los war und die waren meistens ganz nett zu mir.
Nur in das eine Zelt wollten die mich nie reinlassen. So eine Frechheit, denn es duftete so lecker da drinnen. Aber dennoch bekam ich ab und zu etwas von denen zu Essen und das war richtig gut. Normalerweise musste ich mir mein Essen immer selber organisieren, weil ich ja nicht so ein dummer Kläffer bin, der immer im Hof angekettet herumliegt und dafür sein Essen bekommt, sondern ich gehöre zur noblen Klasse der freien Dorfhunde und muss auf den ganzen Ort aufpassen.

Und diese einfallsreichen Menschen kannten lustige Spiele.... Aber ich habe diese Aufgaben immer bestanden. Ha! So ein Mensch ist einem Hund halt nicht gewachsen.
Eines dieser lustigen Spielchen war zum Beispiel das mit der Tüte: Vor dem Zelt, wo es immer so gut und lecker duftete, standen irgendwann blaue Tüten herum. In diesen hatten die mir mein Essen versteckt und um es mir ein wenig schwieriger zu machen, haben die halt noch vieles anderes Zeug dazu getan und die Tüte außen rum noch zu gebunden. Um es mir noch schwieriger zu machen, haben die mich dann noch den ganzen Tag davon abgehalten, an mein Essen zu kommen. Aber in der Nacht habe ich es dann natürlich geschafft! Man haben die am nächsten Tag dumm geguckt und ich glaube die waren richtig sauer auf mich. Aber mit meinen Krallen und meinem feinen Näschen ist es gar kein Problem, eine Tüte an der richtigen Stelle zu öffnen.
Nur mit mir zusammen ihr Essen teilen wollten die nie. Bis ich das mal raus hatte, dass die wirklich nicht mit mir Essen wollten, hat es ein weilchen gedauert. Vorher habe ich es immer für ein neues Spiel gehalten. Wisst ihr, die haben sich jeden Tag dreimal nach so einem komischen Gebimmel getroffen, in einen Kreis hingesetzt, an den Händen gefasst und irgendetwas gesungen. Ich dachte immer, das sei dass Zeichen für den Spielbeginn und meine Aufgabe bestünde darin, in den Kreis zu kommen und mir etwas zu schnappen. Erst als einer begonnen hat, mir ein Stück weiter weg, etwas von dieser leckeren Milch, meist mit vielen dieser schönen saueren Brocken, hin zu stellen, ist mir aufgegangen, dass das wohl doch kein Spiel war. Aber was sollte es sonst sein ? Die Glocke um alle herbei zu rufen, aber der Rest ??? Menschen !!! Na ja. So sind sie halt.

Aber erfindungsreich sind sie schon:
Nach einer Woche haben die sich ein ganz tolles neues Spiel ausgedacht. Also vielleicht sollte ich vorher noch erwähnen, dass ich immer mitgegangen bin, wenn einer von denen die Wiese verlassen hat, um mal zu gucken was die so treiben. Nur wenn die in den Hof runter sind , wurde es manchmal schwierig. Da hatten die nämlich eines von diesen stinkenden, krachmachenden Dingen rumstehen und mit dem haben die immer Essen geholt. Aber damit ich nicht rauskriege wo die ihr Versteck haben, haben die mich damit immer abgehängt. Obwohl bis zum Ortsende bin ich anfangs noch mitgelaufen, aber dann wurden die immer schneller. Das war unfair!
Auf dem Hajk (2.6 kB)Nun bei dem neuen Spiel. Das war so: Eines Tages haben die sich alle getroffen und hatten so komische Säcke auf dem Rücken und dann haben die sich in Gruppen aufgeteilt und sind losgelaufen. Das war ein Spaß. Ich weiß zwar noch immer nicht, was das Ganze sollte, aber es war richtig lustig. Ich habe mich letztendlich für eine Gruppe entschieden bei der so ein kleiner Süßer dabei war, der immer besonders lieb zu mir war und stets für ein Spielchen gut ist. Und mit denen bin ich mit. Richtig weit. Das es noch so viele andere Orte gibt, wusste ich noch gar nicht. Den ganzen Tag bin ich mitgelaufen, über Felder und Äcker, durch schattige Alleen und an Seen entlang.. Bestimmt 13 Kilometer oder mehr. Ich glaube so weit ist noch keiner der anderen Hunde gekommen. Toll war das. Und am Ende sind wir in einem komischen Ort gelandet und der war sehr groß also richtig komisch. Da gab es gar keine Kühe und wenig Hunde, nur viele Menschen und stinkende Fahrzeuge. Dort haben wir dann eine lange Pause gemacht. Die war ja auch mal richtig nötig. Den ganzen Tag in der Sonne rum laufen ist ganz schön anstrengend.
Irgendwann kam dann deren komisches stinkendes Ding an und die hatten sofort ein lustiges neues Spiel auf Lager. Ich musste den leckeren Keksen hinterher laufen, die die durch das Auto getragen haben, ohne mich im Auto einsperren zu lassen. Nachdem ich dann ein paar Kekse erwischt hatte, aber die mich nie gefangen haben, wurden die immer aufgeregter und mein süßer Kleiner wurde fast traurig. Da habe ich beschlossen, die auch mal gewinnen zu lassen. Waren die froh! Und als Belohnung für das faire Spiel haben die mich dann zurück nach Gradzkie gefahren. Unheimlich ist so eine Geschwindigkeit und komischerweise hat sich keiner bewegt. Ich weiß nicht, ob ich das mag.

Badefreuden (2.6 kB)Auf der Wiese fehlten jetzt einige Zelte und für eine Woche waren nur drei von denen auf dem Platz. Aber ich habe nicht rausgekriegt, ob dass die stärksten waren, die aufpassen sollten, oder ob die mit dem Rest des Rudels nicht mithalten konnten. Es war auf jeden Fall eine erholsame Woche. Wir haben den ganzen Tag im Schatten gelegen und uns nur zwei mal am Tag bewegt, um den Ortsvorsteher zu besuchen, wo wir uns dann immer eine Stunde ausgeruht haben, bevor wir uns auf den Rückweg begeben hatten. Komisch war nur, dass die immer ganz nervös geworden sind, wenn dieser komische Apparat gebimmelt hat, in den man reinsprechen kann. Na ja, wer versteht diese Menschen schon.

Einmal in dieser Woche haben die mich ganz schön reingelegt. Da lag so ein komisches kleines Ding aus Plastik rum und ich dachte mir, dass da bestimmt auch etwas leckeres zum Essen drin war. Das musste ja richtig lecker sein, weil die Verpackung richtig stabil war und weil sie es mir nicht gönnten und mir immer wieder wegnehmen wollten. Dummerweise war da gar nichts zum Essen drin! Irgendwann habe ich die Verpackung geknackt und dann hat es kurz gezischt. Pfui, Bäh. Ich hatte auf einmal einen ganz kalten Mund und so einen komischen Geschmack auf der Zunge. Verärgert habe ich das Ding fallen gelassen. Sollen die es doch behalten. Danach musste ich erst mal im Schatten darüber nachdenken was das Ding sollte. Und die haben mich ausgelacht. Die konnten gar nicht mehr vor lachen. In den nächsten Tagen habe ich dann genau aufgepasst, was das Ding denn war und wofür es benutzt wurde. Und ich habe es raus bekommen. Es war so ein kleiner Flammenwerfer, mit dem sie das Papier entflammt haben, dass sie sich in den Mund steckten. Menschen!

Irgendwann kamen dann die anderen Menschen zurück und das gab ein Geplapper. Unvorstellbar. Alle waren ganz froh und haben sich irgendwelchen Kram erzählt. War wieder mal ganz nett mehr Leute um sich rum zu haben.
Irgendwann sind diese Verrückten auch alle gemeinsam zum See gegangen und haben drin rumgeplanscht. Und die wollten gar nicht mehr heraus kommen. Die haben sich Bälle zugeworfen und so weiter. Bescheuert sind die, freiwillig in den See zu hüpfen.
Einmal haben sie sich auch noch etwas neues ausgedacht. Einer von den kleinen Netten, hatte ganz viele Fische dabei und die hat er mir dann irgendwann als Festmahlzeit verbuddelt. Witzige Idee, es war richtige Arbeit sie wieder auszugraben. Aber geschmeckt hat es!

Nur nach drei Wochen war dann der Spaß vorbei. Da haben sie ihren Kram eingepackt, aufgeräumt, alle Löcher zugebuddelt und den Müll aufgesammelt. Später sind sie dann mit Sack und Pack zur Hauptstraße gezogen, wo dann auch wieder der komische Behälter ankam und die verschlungen hat. Man könnte meinen, dass die genau wussten, dass das Ding genau an diesem Tag kommt.

Und dann waren die weg. Das Dorf wirkt jetzt viel leerer als früher. Ab und zu laufe ich noch zum Ortseingang und halte Ausschau, ob nicht mal wieder so ein Kasten kommt. Aber bislang ist noch keiner aufgetaucht. Schade eigentlich. Es war so lustig diesen Sommer. Hoffentlich kommen die noch mal wieder...

Übersetzt von Peter Wolfermann

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Stand: 17. Okt 1999 // Schinderhannes online / Übersicht / Erinnerungen / erinn-24.htm -