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Lagerfeuerromantik statt Techno-Beats

- 28. April bis 01. Mai 2000 -

Pfadfinder im Zelt beim SingenAuf den Fellen in der Jurte hocken drei Mädchen und ein Junge; eines spielt leise Gitarre und blickt dabei gedankenverloren in das Feuer, das in der Zeltmitte prasselt. Die anderen unterhalten sich und lachen immer wieder fröhlich. Draußen grast ein Pferd, bellen Hunde, spielen Erwachsene und Kinder Fangen zwischen den etwa zehn kleinen Kohten- und großen Jurten-Zelten. Andere sitzen im Gras und auf Bänken, essen und reden. Einige jungen hacken am Waldrand Holz für das Lagerfeuer am Abend.

Allerhand los auf der WieseSchauplatz der Idylle ist eine Wiese zwischen Watzhahn und Bom, wo der Taunussteiner Pfadfinderstamm Schinderhannes statt seines traditionellen Mailagers einen Tag "der offenen Jurte veranstaltet. "Wir wollen damit zeigen, dass es uns gibt und möglichst viele neue Leute gewinnen", erzählt Jan vor der Küchenjurte und berichtet, dass die 30 bis 40 aktiven Teilnehmer am Lager die Zelte gestern aufgebaut haben. "Heute morgen haben wir Spiele mit den Kindern gemacht und nach einem Gemeindespaziergang gemeinsam zu Mittag gegessen." Nach Kaffee und Kuchen am Nachmittag klingt der Abend am Lagerfeuer bei Gitarrenmusik und Gesang aus.

Viele Haende lassen GruessenSeit 1907 gibt es die Pfadfinderbewegung, die Sir Robert Baden-Powell in England mit 21 jungen aller Gesellschaftsschichten gründete. Parallel entstand in Deutschland die Wandervogelbewegung, und später bildeten sich die Pfadfindergruppen. Im Dritten Reich wurde die Pfadfinderarbeit verboten, doch manche Pfadfinder trafen sich heimlich oder gingen in den Widerstand. 1946 nahmen sie ihre Arbeit offiziell wieder auf. 1973 vereinigten sich Christliche Pfadfinderschaft, Evangelischer Mädchenpfadfinderbund und der Bund Christlicher Pfadfinderinnen im Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit heute bundesweit 47 000 Mitgliedern. Etwa 4000 davon sind im Landesverband Hessen in 50 Ortsgruppen, den Stämmen organisiert. Zu den 135 Mitgliedern von Schinderhannes - der Stamm gliedert sich in acht Sippen - kommen noch am Tag der offenen Jurte einige hinzu.

Fleissige Handwerker machen HolzSechs- bis Neunjährige heißen Wölflinge und bilden eine gemischte Gruppe. Die zehn bis 15-jährigen Sipplinge sind eine kleinere, nach Geschlecht getrennte Gruppe. "Danach werden die Sipplinge Leiter oder die Mädchen Ranger und die jungen Rover", erklärt Jan. Bine berichtet, dass in den Lagern, die mindestens jede Ferien stattfinden, Geländespiele und Arbeitsgemeinschaften organisiert werden, in denen gebastelt wird.

Beim gemeinsamen Essen...In der Versammlungsjurte hängen Fotos und Karten an der Zeltwand - Erinnerungen an die Sommerlager seit 1967. Rote Fähnchen markieren Orte in Frankreich, England und Holland, Österreich und Deutschland, Schweden, Dänemark und Tschechien. Martin erzählt, dass der Stamm immer nur eine Woche im Lager bleibt und dann in kleinen Gruppen mit Zelten und Gepäck auf Wanderung geht. "Schön ist, dass man eine große Gemeinschaft bildet und etwas zusammen unternimmt", schwärmt Bine. Arne bestätigt, dass die Älteren immer die jüngeren unterstützen. "Man kümmert sich um den anderen, isst zusammen und beendet das Essen erst, wenn alle fertig sind", erzählt Bine. Diese Atmosphäre überträgt sich auch auf die großen und kleinen Gäste. Einige beschließen spontan, das Angebot anzunehmen und in einer der schnell zusätzlich aufgebauten Kohten zu übernachten.

Dr. Christine Dressler

(Erschienen im "Wiesbadener Kurier" am 03. Mai 2000. Schinderhannes online bedankt sich beim Verlag und Redaktion für die freundliche Abdruckgenehmigung)

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Stand: 01. Nov 2000 // Schinderhannes online / Übersicht / Erinnerungen / erinn-29.htm -