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Eigentlich war es ja eher eine Irlandfahrt, aber egal. Das Ziel war lrland und das ist die Hauptsache. Irland. Irland war für mich eine Insel, mit sehr viel grünem Gras und absolut keinen Bäumen. Das es wunderschön und auf jeden Fall eine Reise wert sei, hatte ich noch gehört.
Ach ja, und freundlich sollen sie sein, die Iren.
Das wichtigste hätte ich beinahe noch vergessen: In Irland regnet es
fast nur. Wurde mir zumindest berichtet. Soviel also zu dem Bild, das mir
vor der Fahrt von Irland gemacht wurde. Zugegeben, ich hatte mir auch keine
Mühe gemacht, ein differenzierteres Bild von Irland zu bekommen und
so blieb es bei dieser sehr klischeehaften Vorstellung. Bis ich nach Irland
kam. Man könnte sagen, ich wurde positiv enttäuscht. Nicht das
ich auf Bäume so viel Wert gelegt hätte, aber das es dann doch
wenigstens die ein oder andere Nadelschonung gab, war irgendwie gut zu wissen.
Und auch die Abwesenheit des typisch frischen Regens (vielleicht hat er gerade
seinen engen Verwandten, den typisch englischen Regen besucht?) hat mir nicht
unbedingt die Fahrt verdorben, im Gegenteil. Vollständig Blödsinn
war meine Vorstellung von Irland darin glücklicherweise doch nicht,
denn freundlich waren die Iren, sehr sogar. Wenn Tom uns nicht in seinem
Schafstall hätte übernachten lassen... Aber ich fange wohl besser
am Anfang an...
War als solche nicht wirklich so spannend, als das es darüber großartig etwas zu berichten gäbe. Alle waren aufgeregt, viele waren nervös und ein paar hatten bestimmt schon Heimweh, als sie kaum im Bus waren. Zum Glück sorgten ungezählte Pausen, zwei schlechte Filme ("Con Air", nur ein bisschen schlecht und "Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast", richtig schlecht - [Und ich bin aus Protest eingeschlafen... krü]) und zwei Fährüberfahrten für Abwechslung, so dass es alles in allem nie wirklich langweilig wurde. Mir zumindest nicht.
Groß, laut, Menschen, Dreck, noch mehr Menschen und nur ganz wenig ruhige Fleckchen. Einen hatten wir zum Glück schnell gefunden. Ansonsten wollte ich nach 24 Stunden Dublin einfach nur so schnell wie möglich weg. Vielleicht schreien jetzt einige auf und schimpfen mich einen Ignoranten, aber mein erster, zweiter und dritter Eindruck von Dublin war kein guter. Ach ja, eine kleine Episode sollte an dieser Stelle vielleicht nicht unerwähnt bleiben. Die Geschichte von 90 kopflosen Pfadis, die sich die sich zusammen mit leider gar nicht kopflosem Bären in einem Park in Dublin versammelten, um Abschied zu nehmen für die Fahrt. Im nachhinein erfuhren wir, dass es den Iren lieber gewesen wäre, wäre unser Bär auch so kopflos gewesen wie wir es waren. Ein Blick auf die Karte verriet uns den Grund: Irland schaut schon irgendwie aus wie ein Teddybär, leider ist der Kopf aufgrund verzwickter politischer Verhältnisse vom Körper getrennt, sozusagen. Warum wir diese offensichtliche Tatsache ignorierten, war den Iren verständlicherweise unbegreiflich.
Es ist der nächste Tag und wir sitzen im
Bus nach Galway. Links und rechts immer wieder Bäume. Meine
Enttäuschung wächst (und Markus und Gele geben sich redlich Mühe,
mir den Anblick zu ersparen. Es bleibt nur wohl nichts anderes übrig,
als mich daran zu gewöhnen.
Endlich in Galway angekommen ist alles ganz anderes als in Dublin. Es ist kleiner, ruhiger, sauberer und es sind lange nicht so viele Menschen auf den Straßen. Unsere Herberge liegt mysteriöserweise gleichzeitig im zweiten Stock und doch ebenerdig, wir sollten dieses Rätsel später lösen. Aber zuerst machten wir uns auf, die Stadt ein wenig näher in Augenschein zu nehmen. Wir gehen einmal quer durch die Innenstadt (sie ist wirklich nicht sehr groß) zum Meer und beschließen, dass es überaus Schade ist, dass wir hier nur eine Nacht bleiben. Aber schließlich wollen wir hajken und so nehmen wir schweren Herzens am nächsten Morgen Abschied und fahren mit dem Bus weiter Richtung Westen nach Roundstone, von dort wollen wir losziehen.
Im Bus studieren wir die Karten und stellen fest, dass es in der Nähe von Roundstone genau einen Berg gibt, was uns die Auswahl sehr erleichtert. In Roundstone angekommen essen wir erst mal zu Mittag, leerer Bauch marschiert schließlich nicht gern und irgendwie hat man danach auch die Illusion, dass der Rucksack leichter ist. Vor uns liegt immer noch der Berg, also gehen wir los. Um eines gleich vorweg zu nehmen, den Gipfel tun wir uns nicht an. Stattdessen gehen wir leicht rechts an ihm vorbei, genießen eine atemberaubende Aussicht auf den Atlantik und machen wie verrückt Fotos (mit VCP-Fahne!) von unserer Fast-Besteigung.
Wir wollten hindurch und wir scheiterten. Es
ist verdammt feucht, es gibt keinen einzigen Weg, aber dafür um so mehr
Seen und natürlich Schafe. Fast scheint es, als würden sie uns
verspotten, wie wir orientierungslos von einem See zum nächsten stapfen,
dabei so gut wie es geht Moor- und Sumpflöchern ausweichen und
schließlich vor einer nicht zu überwindenden Barriere aus Schilf
stehen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als umzukehren und die Nacht
etwa zwei Kilometer weit entfernt von Roundstone am Rande des Moores zu
verbringen.
Einige Tage später, es ist Mittwoch und wir sind in Clifden, um uns mit Strahler zu treffen.
Bis heute hatten wir riesiges Glück mit dem Wetter, als wir uns allerdings zum Mittagessen vor einer alten Kirche niederlassen, fängt es prompt an zu regnen. Wir bringen gerade noch die frisch eingekauften Vorräte in Sicherheit und beschließen, gleich loszuziehen. Auf dem Weg zu unserem Ziel, einem See inmitten der Hügel weitab jeder Zivilisation, kommen wir an einem Campingplatz vorbei, widerstehen jedoch der Versuchung. Der See ist wunderschön gelegen, die Berge des Connemara National Park im Hintergrund und wir schlagen unser Lager hinter einer kleinen Steinmauer auf, natürlich inmitten von Schafen.
Es dauert nicht lange und wir bekommen Besuch von einem älteren Iren namens Tom, seines Zeichens Farmer und Besitzer der Weide auf der wir unsere Nacht verbringen wollten. Er stellt sich als überaus freundlich heraus, verkündet uns nach eindringlicher Warnung wie gefährlich es sein kann, auf einer Weide zu nächtigen ohne den Besitzer zu fragen, weil der ja schließlich seine Bullen auf die Weide lassen könnte, dass er davon für diese Nacht absehen werde und zeigt uns außerdem noch eine herrlich frische Quelle. Das Wasser aus dem See ist uns trotz Micropur doch ein wenig zu grün.
Wir verbringen die Nacht zu neunt in der Kohte,
unser Gepäck verstauen wir in zwei Lokomotiven. Wir sollten dies sehr
bald bereuen. Denn auch noch so sehr zusammengekuschelt ist es dennoch eng
mit neun Leuten und das Berühren der Plane lässt sich nicht wirklich
vermeiden. Natürlich regnet es die ganze Nacht und am nächsten
Morgen, es regnet immer noch, sind so gut wie alle Schlafsäcke nass.
Ein heißer Tee im Regen kann die Stimmung nur bedingt heben, denn mit
nassen Schlafsäcken und nassen Kohtenplanen möchte niemand laufen.
Wer die Stimmung allerdings ungemein hebt ist 'I'om, der wenig später
auftaucht und uns seinen Schafstall zum Trocknen der Schlafsäcke anbietet.
Wir machen uns also einen faulen Tag, helfen Tom ein wenig in seiner
Ferienhütte am See und genießen das inzwischen wieder herrliche
Wetter. Die Nacht verbringen wir auch noch im Schafstall und so ziehen wir
am nächsten morgen trocken und bester Laune weiter.
Hier ist Schluss. Alles kann und will ich nicht erzählen, es würde auch den Rahmen sprengen. lrland ist auf jeden Fall eine Reise wert und ich bin mir sicher, dass der erster Besuch auf der grünen Insel nicht mein letzter war.
Christoph Höhn
Und was Christoph noch verschwiegen hat:
Natürlich hatten die anderen Hajkgruppen, ob Pärchen, Riesengruppen oder Randgruppen auch ihren Spaß und genossen die unglaubliche Landschaft. Und zu guter letzt traf man sich ja noch mit allen Gruppen, um ein fünftägiges Standlager durch zu führen. Der Lagerplatz (in Nordirland gelegen) war mitten in einer alter Ruine direkt am Loch Erne gelegen. Das Wetter dort war durchwachsen bis sonnig, die Stimmung untereinander ebenso. Es war leicht zu sehen, dass viele Teilnehmer noch voller Eindrücke des Haijks waren und sich nur langsam an das Standlager gewohnten. Aber schön war es trotzdem. Es gab wenig Programm (die Höhle, die wir besichtigten, war leider wegen Hochwassers nur zum Teil zu begehen), viele Sandwiches mit Garlic-Mayonnaise und einige gruppendynamische Ereignisse.
Die Rückfahrt war ähnlich aufreibend wie die Hinfahrt - der Abschlusskreis auf dem (doch belebten) Parkplatz des Wiesbadener Hauptbahnhofes holte uns aus der Stille Irlands erfreulich schnell in die Eile der Zivilisation zurück.
Markus Krüger
(Schinderhannes online bedankt sich beim "Hesseblättche" für die freundliche Abdruckgenehmigung.)