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Eines Jahres zu Ostern war die Welt mal wieder streßig. Einige Schüler, Azubis und Studenten waren mal wieder besonders angenervt von den Anforderungen unserer modernen Gesellschaft.
Und so war es notwendig, mal wieder auszubrechen aus grauer Städte Mauern und in der Natur den Kopf frei zu bekommen von der Hektik des Alltags, die einen nur zu oft vergessen läßt, was wichtig ist.
Nun gut, also trafen wir uns eines Montags Morgens im Wiesbadener Hauptbahnhof, wohlgemut und entschlossen auszuziehen in die weite Welt. Wir: das waren einige Pfadis vom glorreichen, legendären Stamm Schinderhannes zu Taunusstein: Andreas Funk, Katrin, Andreas Rohmert, Michi, Christian und ich (Lars).
Also war von Anfang klar, daß das Ganze sehr lustig werden würde. Aber eingewisser Schelm in jedem Einzelnen gehört wohl zur Stammestradition. Allerdings sicher bei einigen in ganz besonderer Weise.
Wir hatten vor 6 Tage durch die Rhön zu hajken. Also nahmen wie die gute Regionalbahn bis nach Fulda, wo wir dann mit Hilfe des Aldis (Was sonst?) unsere Logistik für die nächsten Tage klärten. Mit dem Bus fuhren wir noch aus der Stadt raus, um endlich schneller in etwas weniger zivilisierte Gegenden zu kommen, von denen wir aber während der ganzen Fahrt weniger fanden, als erhofft.
Vom letzten Vorort Fuldas tippelten wir dann los nach Südosten und genossen frühsommerliche Temperaturen und Sonnenschein. Gegen Abend, wir wollten uns gerade einen Platz im Wald zum kohten suchen, sprach uns ein netter hiesiger Landwirt an: " Heh, die Pfadfinder, da seid ihr richtig hier." Obwohl wir keine Ahnung hatten, was er meinte, ließen wir uns beschreiben, wo es lang ginge. Nach ein wenig Gesuche und Gefrage fanden wir ein großes Haus der DPSG, wo gerade Gruppenleiterkurse abgehalten wurden.
Weil man auf Fahrt immer jede Gelegenheit nutzt, sich spontan auf etwas einzulassen, insbesondere wenn man dabei Leute kennenlernt, fragen wir nach Quartier. Dankenswerterweise wurde uns ein Raum gezeigt, wo wir uns ausrollen durften. So schliefen wir doch noch eine Nacht mehr drinnen.
Am nächsten Tag ging es im Nieselregen weiter nach Poppenhausen Richtung Wasserkuppe. Zwischenzeitlich wurde es so naß, daß wir eine ganze Weile versuchten den Regen auf dem Poppenhausener Marktplatz in Ausdauer zu schlagen. Trotz weiterem Niesel zogen wir dann weiter, weil es klar war, daß wir nicht mitten im Ort kohten wollten.
Wahrscheinlich hätte man in solch einer ländlichen Gegend gut bei Bauern nach Quartier fragen können, aber wir wollten es uns lieber in unserer Kohte am Feuer gemütlich machen.
Also liefen wir durch das nasse und kalte Wetter weiter. Ein paar Kilometer hinter dem Ort überfiel uns noch ein richtiger Gewitterschauer, aber zum Glück stand ein alter Schuppen zwischen den Feldern, in dem es zwar noch tropfte, aber das war weit besser als ein Regen, so stark wie die morgendliche Dusche zu Hause. Niedrige Motivation des Einen oder Anderen wurde mit heißem Tee aus der Thermoskanne und Schokolade vertrieben.
Bald danach hellte es sich auf und wir fanden eine schöne Wiese, direkt am Waldrand. Netter Blick, eben, Feuerholz und Stangen ohne Ende, nicht zu viele Leute zu erwarten: alles, was ein Lagerplatz braucht, außer: Wasser. Wir nahmen ihn trotzdem, Wasser wurde geholt, die Kohte gestellt.
Abends in der Kohte gab es unsere traditionellen Käsenudeln vom Feuer. Gemütliches Schwätzchen, viel Lachen, insbesondere über Andis Bravo und all die Stars' und Leserbriefe' darinnen.
Lange, sehr lange blieben wir wach. Was die Kohte doch für ein geniales Zelt ist.
Am nächsten Morgen regnete es leider konstant durch, zwar nicht so stark, wie in gestrigen Schauer, aber dafür ohne viel Hoffnung, daß es bald aufhören würde. Nun gut, das gehört auch dazu. Wir mußten weiter, denn wir hatten nur für 2 Tage eingekauft. Also testeten wir einige Stunden unseren Regenschutz. Gegen Mittag wurde es wieder besser und auf einem kleinen Hügel mit Gipfelkreuz und schönem Blick machten wir Brotzeit, um dann nach Gersfeld weiterzulaufen.
Ich muß gestehen, daß es immer wieder Spaß macht vor einem Einkaufscenter ein wenig bestaunt zu werden, ob der großen Rucksäcke, der Kluft, der Wanderschuhe. Insbesondere das Verpacken des Einkaufs (incl. Eier, Tetrapacks, Creme Fraiche oder was auch immer) in die Rucksäcke scheint Hausfrauen immer wieder besonders zu beeindrucken.
Leider war es nun schon spät geworden: wir brauchten dringend einen Lagerplatz, denn bald würde die Sonne untergehen und dann sammelt sich das Holz nicht mehr so gut.
Also taperten wir los, auf der Karte hatten wir uns ein schönes Bachtal ausgesucht, aus dem wir uns am nächsten Morgen gut an die Besteigung der Wasserkuppe machen konnten. Nachdem wir auf dem Weg noch einen netten Herren nach den Weg gefragt hatten, fuhr dieser uns hinterher und bot uns an, uns zu fahren. Damit hatten wir nicht gerechnet, natürlich nicht. Wer von Euch würde das denn machen?
Also getreu des Sich-auf-Alles-Einlassens nahmen wir das Angebot an. Er fuhr (Herzlichen Dank an diesem Orte.) sogar zweimal für uns.
Nun gut wieder eine lange lustige Kohtennacht und am nächsten Tag entschieden wir uns für einen gemütlichen Tag an diesem schönen Ort zu verbleiben. Katrin laß uns eine schöne Geschichte von Dog-Mushern (Hundeschlittenführer) in Alaska vor, die sie unbedingt auf dem Sommerlager zu Ende bringen muß. Dazu kochten Christian und ich einen Tee ums andere auf dem Feuer. Nun gut, ich gestehe, der Eine oder Andere Kaffee war auch dabei. Unsere Andis hatten noch ein paar Kleinigkeiten und gegorenen Traubensaft aus dem Ort besorgt.
Nach der feierlichen Bravoverbrennung freuten wir uns auf das Rotweingeschnetzelte. Die Nacht wurde ziemlich kalt, deutlich unter null Grad, aber das Feuer regelte das ja. (Es soll ja Leute geben, die ohne Feuer auf Winterfahrt gehen: Anfänger.)
Am nächsten Morgen schneite es, während wir abbauten. Danach wurde es sonnig, blieb aber kalt und etwas windig. Eine Mischung, die mir eine ausgewachsene Erkältung bescherte. Heute liefen wir endlich auf die Wasserkuppe. Oben angekommen erwarteten uns auf jeden Falle schöne Blicke ins Umland. Wir erkannten einiges von oben wieder, wo wir noch vor ein paar Tagen hindurchstreiften. Allerdings war das Wetter da oben ziemlich ungemütlich, weil kalt und sehr windig, und die Ausflugsatmosphäre fanden wir nun auch nicht besondres lauschig.
Trotzdem verkrochen wir uns in eine Gaststätte. Etwas Heißes zu trinken hatten wir uns redlich verdient. Nun faßten wir den äußerst populären Beschluß den Überschuß der Fahrtenkasse heute Abend aufzuessen.
Nun ging es also wieder nach Gersfeld, am nächsten Morgen mußten wir ja nach Hause und Gersfeld hat den nächsten Bahnhof. Auf dem Weg ins Tal wurden wir noch einmal belohnt.
In Gersfeld fanden wir dann nach einigem Vergleichen der örtlichen Gastronomie eine Kneipe mit Schnitzel für 12 DM. Da viel uns die Entscheidung doch leicht, und als eines nicht reichte, wurde kurzer Hand eine zweite Runde bestellt.
Nach einer angenehmen Völlerei machten wir uns zur Schule auf, um unter dem Vordach zu nächtigen, das uns der Wirt empfohlen hatte. Dort passierte prompt das, was man in solch einer Situation natürlich strikt zu vermeiden sucht: Der Hausmeister stöberte uns auf, während wir auf dem Schulgelände nicht fanden, was wir suchten. Bereits gefaßt darauf, uns also etwas anderes suchen zu müssen, sagten wir ihm, weshalb wir hier waren. Und statt uns wegzuschicken und dabei mindestens noch einmal von Polizei' zu faseln, wie das normalerweise jeder Hausmeister getan hätte, der etwas auf sich hält, führte er uns zu dem Vordach und zeigte uns, wo wir da schlafen könnten. (Auch hier ein Danke...)
Am nächsten Morgen schliefen wir lange mit unseren vollen Bäuchen, um dann die immer noch nicht leere Fahrtenkasse in Form eines Frühstückes in einem Cafe zu attackieren. Also alles gaaaanz gemütlich. Und dann ging es schließlich mit der Bahn wieder nach Hause, in der wir noch viel Spaß hatten, den Wochenendsticketverkehr (also die Leute) zu beobachten.
War also wieder schön...
Lars Dohse