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Ein Wanderschuh über den Winterhajk 2002

2. bis 5. Januar 2002

Es war eine echte Wonne! So geputzt, gefettet und gerieben wurde ich schon lange nicht mehr! Naja, wurde ja auch langsam Zeit, nachdem ich nun bestimmt schon zwei Monate ein sehr trübseliges Dasein im Schuhregal geführt habe. Aber das war auf einmal alles vergessen. Mein Chef hat mich fest an seinen Fuß gebunden und los gings. Naja, so direkt nun auch nicht: Erstmal in die Hütte, Strecke ausknobeln in jede noch so dreckige Ecke laufen damit mein Chef an irgendwelche Sachen kommt, einkaufen gehen und so weiter...

zwei Pfadfinder hajken durch den verschneiten WaldNaja schließlich waren wir zu acht: Die zwei Kollegen die Lars getragen haben, die die zu Arne gehören, die von Björn und von Christof. Auf der Fahrt nach Presberg haben wir uns mal kurz ausgetauscht: Ihr versteht schon, Plausch unter Kollegen: Das scheint ja mal ne richtig herausfordernde Sache zu werden. Also ich bin vorher noch nie auf so viel Schnee gelaufen. Wir haben nur alle gehofft, dass es nicht zu kalt wird. Nun wir waren aber alle schön gefettet worden und da kann eigentlich nichts schief gehen.

Pause muss sein, auch wenn es sehr kalt istDann ist es endlich losgegangen! - Dachte ich zumindest. Doch schon nach wenigen Metern überlegen sich die Herren erst mal Pause zu machen und was zu essen. Die Sicht über den Taunus war ja wirklich atemberaubend. Vor allem nach so langer Zeit im eingestaubten Schuhregal. Leider wird nur schon nach kurzer Zeit dieser dämliche Fuß, der in mir steckt kalt. Egal, man kann eben nicht alles haben.

Es geht dann auch doch recht schnell weiter. Scheinbar war nicht nur der Fuß von der Kälte betroffen. Die ersten Meter muß ich mir ständig die Diskussion anhören, wer die Karte nimmt und dafür die Handschuhe ausziehen muß. Schließlich einigen sie sich und keiner schaut rein. Auch ne Lösung... Als es anfängt zu dämmern brechen auch tatsächlich die Diskussionen los, wo wir eigentlich gerade sind. - Verdammt jetzt habe ich auch noch den Halt verloren. Kann der nicht aufpassen wo der Idiot mich mit seinen Füßen hinsetzt? Das war doch pures Eis. Anfänger! - Naja jedenfalls findet sich ein netter Biwak- Platz in einem schmalen Tal direkt an einem kleinen Bach. Ich werde erst mal dazu missbraucht Schee zur Seite zu schaben, werde über unbequemen Waldboden gehetzt, um Feuerholz zu holen und dann auch noch dazu verwendet, um ein Loch in Eis zu schlagen, um an Wasser zu kommen. Anstrengend sage ich Euch!

Christof mit StammeswimpelDanach hatte ich dafür erst mal ne ganze Weile Sendepause. Ich wurde von den kalten Stinkern, um die ich geschnürt war, befreit und in die Ecke gestellt. Gott sei Dank habe ich ein recht bodennahes Dasein, bei dem Rauch, der hier herrschte. Jedenfalls wurde von den Chefs wohl ein ziemlich üppiges Mahl bereitet. Die waren jedenfalls selber von den Mengen überrascht, die sie so essen konnten. Diesen Abend habe ich Glück: Ich habe das Knobeln um die Nachtbereitschaft gewonnen und stehe schön in einer Ecke, während meine Kollegen beim zugigen Eingang stehen und immer mal wieder Kurzeinsätze haben. Die Nacht war aber nicht wirklich angenehm! Ganz steifgefroren war ich am nächsten Morgen!

Worauf warrtet Björn?Und dann am nächsten Morgen -hm, naja eigentlich eher Mittag- gleich so kalte Füße - mein Chef weiß manchmal wirklich nicht, was sich gehört! Und was macht der dann auch noch als erstes mit mir? Steifgefroren wie ich war musste ich auch noch mit ihm joggen gehen. Immerhin wurden die Füße dadurch fast so was wie warm und mein Chef dadurch auch zunehmend besserer Laune. Das mit dem Weiterlaufen haben die Herren dann aber recht schnell aufgegeben, so dass ich einige Zeit ohne Lasten durch den Wald spazieren darf, damit der Chef an ordentliches Brennholz kommt. Was ein Tag: Blauer Himmel, Sonnenschein - und saukalt. Auf jeden Fall werden dann noch Tannenzweige in Massen geholt und zur Isolierung auf den Boden gelegt und auch sonst alles für eine weitere Nacht vorbereitet. Danach geht es noch eine Runde spazieren, bevor es dunkel wird. Die Idee ein Café zum Aufwärmen zu suchen war ja nett. Aber muß man dazu Straße treten - da verschleißt doch meine Sohle so! Naja, war eh für die Füß, da alles an der nahen Wisperstraße geschlossen ist. Jedenfalls geht es im Stockdunkeln zurück zum Zelt. Gar nicht so einfach sag ich Euch - Mein Chef sieht nichts und scheuert mir mein Leder auf. So kann ich nicht arbeiten - dachte ich mir und lief brav weiter. Zurück im Zelt fing wieder die Story mit dem Riesen- Mengen- Essen- und- Stolz- Drauf - Sein an. Nur dass ich dieses Mal Nachtbereitschaft hatte.

Ich will Euch ja nicht langweilen, daher will ich mich kurz fassen: Am nächsten Tag haben wir es dann doch hinbekommen mal weiter zu hajken - Zwar nicht wirklich lang- aber immerhin. War auch so anstrengend genug. Da wollten die Herren einen kleinen Feldweg gehen und mussten feststellen, dass die vermeintliche Brücke über die Wisper nur eine Furt war. Was wurde ich da über Stock und Stein und über einen Steilhang gejagt um trockenen Fußes über einen nahe Brücke zu kommen. Dann wieder die ganze Arbeit, um den Herren eine angenehme Nacht zu bereiten..... Zumindest scheinen sie gelernt zu haben. Was man so lernen nennt: Sie haben die Nacht zwar nicht gefroren, weil die Tannenzweig- Quote erheblich gestiegen war; aber ich jedenfalls wusste, dass Wasser bei den Temperaturen gefriert und dass das für Aluflaschen gar nicht gesund ist.... Es sind halt nur Menschen....

Kochen unter erschwerten BedingungenDen Morgen ging es recht gemütlich über angenehme Wege zurück zum Auto. War wohl die längste Strecke am ganzen Hajk. Nach ein paar Heldenfotos ging es dann wieder Richtung Schuhschrank. Und wer wurde bei der ganze Sache mal wieder nicht geehrt und beachtet: Richtig wir Schuhe. Das musste mal gesagt werden! Wir sollten vielleicht mal ne Gewerkschaft gründen? Kann nur trotzdem sagen, dass es riesig Spaß gemacht hat auch mal durch Schnee zu laufen und auch im Winter mal aus dem Regal geholt zu werden!

Ach ja, danke noch an mein Sprachrohr Christof, wenn der das nicht noch bereut...

Christof Dietzel

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Stand: 10. Feb 2002 // Schinderhannes online / Übersicht / Erinnerungen / erinn-44.htm