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Um sechs Uhr morgens (gähn) starteten wir zu unserem dreiwöchigen Sommerlager nach Österreich in St. Martin bei Weitra. Nach zehnstündiger Busfahrt wurden wir von unserem Platzwart Gerhard begrüßt, der uns in Zukunft nicht nur das Wasser bringen, sondern auch jeden Wunsch von den Augen ablesen sollte. Mit seiner Hilfe hatten wir nach zwei tagen nicht nur unsere Privatzelte sondern auch sämtliche anderen Lagerbauten, wie Solardusche und Donnerbalken gebaut. Wir verbrachten die erste Woche bei schönstem Wetter (schwitz) mit Geländespielen, bei denen wir die nähere Umgebung erforschten. Unser Platz lag ein paar Kilometer vom Dorf entfernt in einer Waldschneise. Eine Wiese und ein märchenhafter Wald- wie geschaffen für uns!
In der ersten Woche besuchten wir eine Papierschöpferei die einige Dörfer entfernt lag. Bei sengender Hitze wanderten wir durch Nieder-Österreich. Dort angekommen führte uns der Chef-Papierschöpfer in die Kunst und Geschichte des Papierschöpfens ein. Aufgrund seines tief-österreichischen Dialektes verstanden wir leider herzlich wenig, was vielleicht auch der Grund dafür war, warum wir uns beim anschließenden selbstständigen Papierschöpfen eher ungeschickt anstellten. Dank seiner zehnjährigen Enkelin bekamen wir dies jedoch noch in den Griff, und kehrten als stolze Besitzer eines selbst geschöpften Stück Papiers auf unseren Platz zurück.
In der zweiten Woche teilten wir uns in insgesamt vier mehr oder weniger große Kleingruppen auf, um Österreich bez. Tchechien unsicher zu machen. Unser Hajk (Wanderung) sollte sechs abenteuerliche Tage dauern, die uns zusammenschweißten und viele schöne Erinnerungen hinterließen. Da wir kein Zelt dabei hatten waren wir auf die Hilfe der freundlichen Einwohner angewiesen wenn wir nicht unter freiem Himmel schlafen wollten. So kam es zu den unterschiedlichsten Unterkünften, wie zum Beispiel Scheunen, drei Sterne Hotels, Festhallen, leeren riesigen Cognac Fässern und natürlich Bauernhöfen.
Wieder auf dem Platz angekommen ergoss sich der Himmel über uns und brachte eines unsere Zelte zum einstürzen- zumindest brauchten wir uns jetzt nicht mehr darum zu streiten wer zuerst unter die Dusche durfte. Nach diesen sechs ereignisreichen Tagen hatten wir unseren traditionellen Schönheitstag, den wir alle bitter nötig hatten. Mit Anti-Aging Gesichtsmasken, Massage, Body-Painting und Henna-Tatoos machten wir uns hübsch und fit für die letzten zehn Tage, die wir mit weiteren (Nacht-) Geländespielen und Bastel-AG`s verbrachten. Wir ließen unserer Kreativität freien Lauf, dichteten Lagerlieder, spielten Socken-Kasperle-Theater und bauten Power-Boote mit Eiern.
Am letzten Samstag war das Highlight: unser Besuch in die Hauptstadt. Mit dem Zug in Wien angekommen (der Schaffner stand kurz vorm Herzinfakt) sahen wir uns die Stadt auf dem Weg zum Schloss Belvedere (die österreichischen Nationalgalerie) und besonders ihre Botschaften genauer an. Aber auch der Konsumrausch kam natürlich nicht zu knapp. Nachdem wir unsere letzten Groschen ähh Cent für einen Hamburger, Pommes und ne Cola, und nicht etwa für ein ordentliches Wienerschnitzel, ausgaben. Es folgte noch ein hektischer Blitzbesuch im Stephans Dom, dann fuhr unser Zug zurück in Richtung Gerhard.
Für unseren Abschlussabend organisierte Gerhard uns sogar kurzfristig noch zwei todschicke Dirndl, die sehr zur allgemeinen Belustigung beitrugen.
Und am nächsten Morgen war unser Lager schon zu Ende und wir mussten Gerhard zurücklassen.
Babsi und Katrin