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Winterhajk 1997: Acht Asse im Schnee

- 02. bis 05. Januar 1997 -

Bereits im vergangenen Herbst wurde die Idee, in diesem Winter einen Hajk durchzuführen, geboren. Zunächst waren wir nur fünf Pfadis, die sich mit dieser Idee anfreunden konnten.

Doch schon bald waren wir zu acht, und mit diesen acht ( Dagny, Simone, Andreas, Arne, Christoph Ott (Potty), Christoph Wirtz (Wurzel), Daniel und Lars) zogen wir schließlich am 2. Januar diesen Jahres mittags um halb zwei los. Eigentlich wollten wir einen Hajk bis ins Wispertal machen, allerdings sollte sich dieser Wunsch als unrealistisch erweisen.

Unser Weg führte uns also von der Pfadihütte in Bleidenstadt Richtung Seitzenhahn. Schon auf diesem kurzen Stück bekamen wir zu spüren, wie anstrengend es ist bei -14 Grad mit 25 Kilogramm Gepäck durch 20 cm tiefen Schnee zu wandern. Aber uns konnte jetzt nichts und niemand mehr aufhalten.

Von Seitzenhahn ging es weiter zum "Taunus Wunderland" und von dort noch einige Meter in Richtung Bad Schwalbach, bis wir uns entschlossen in einem Waldstück zwischen zwei Bundesstraßen unser Nachtquartier aufzuschlagen. Es war zwar schon dunkel, aber trotzdem mussten wir unsere Kohte aufbauen. Nachdem die Kohte dann endlich stand, begannen wir sie mit all unseren Isomatten auszulegen um darin zu kochen.

Das Kochen dauerte bei diesen Temperaturen immer wesentlich länger, denn wir hatten gegen Dosen mit gefrorenem Inhalt, eingefrorenes Hackfleisch oder steifgefrorenes Gemüse anzukämpfen. Trotzdem gab es an diesem Abend nach gut zwei Stunden Kochen Pfannkuchen mit Hackfleischsoße.

Nach dem Essen war allerdings bei weitem nicht alles erledigt, wir mussten spülen. Man kann sich nur sehr schwer vorstellen, wie es ist ohne Wasser zu spülen, denn schließlich hatten wir draußen -14 Grad und dementsprechend kein Wasser mitgenommen. Also musste alle 5 Minuten jemand aus dem Zelt hüpfen, der sämtliche Trangia Töpfe mit Schnee füllte, den wir auf Kochern schmolzen, bis er sich auf rund ein Zehntel des vorherigen Volumens verdichtet hatte. Dieses "Zeremoniell" wiederholten wir so oft, bis wir genug Wasser zum Kochen, Spülen und Teekochen hatten.

Am ersten Abend wurde es dementsprechend spät, und wir schliefen erst gegen 12 Uhr, nach einer Gute Nacht Geschichte von der kleinen Hexe, die Dagny uns vorlas.

Der nächste Tag begann erst recht spät, so gegen 11 Uhr. Wir frühstückten gemütlich, bauten die steinhart gefrorene Kohte ab und packten unsere Rucksäcke. Dummerweise konnten wir uns erst um halb drei auf den Weg machen, und da es im tiefsten Winter schon um vier wieder dunkel wurde, mussten wir uns schon bald nach einer neuen Bleibe umschauen. Diese Bleibe fanden wir schließlich auch, und zwar oberhalb von Bad Schwalbach in einer kleinen Schutzhütte.

An diesem Abend hatten wir schon einiges dazugelernt und wir teilten die Haikgruppe gleich in zwei Teile. Die einen bauten die Kohte auf, während die Anderen das Abendessen, eine doppeltüberdosierte Ochsenschwanzsuppe, "zubereiteten".

Nachdem wir die Ochsenschwanzsuppe -nun, ja, fast - ganz aufgegessen hatten, und mit dem Rest "Simön" (für "-chen" hat die Suppe nicht gereicht) in den Schnee geschrieben hatten, begann der lustige Teil des Abends. Wir wollten Chili für den nächsten Morgen kochen. Doch das erwies sich als recht problematisch, denn die Bohnendosen waren so hart gefroren, dass man sie oben und unten öffnen konnte, ohne das etwas raus kam. Dank Wurzels Tipp:" Probiers mal mit goG (gut organisierte Gewalt)", sahen die Bohnen schließlich ein, dass es auch ein Leben nach der Do(h)se gibt.

Auch dieser Abend endete wieder mit einer Gutenachtgeschichte von der kleinen Hexe ("Das hätten sie nicht erwartet", Insider).

Am nun folgenden Morgen konnten wir uns überwinden bereits etwas früher aufzustehen. Es war also ungefähr 11 Uhr, als die Kothe abgebaut war, und wir genussvoll unser Frühstück, ein leckeres Chili con Carne, zu uns nahmen. Trotz des frühen Aufstehens kamen wir auch an diesem Tag nicht vor 14 Uhr los.

Allerdings wussten wir heute schon, wo wir heute Abend übernachten würden, in Born auf dem Lagerplatz. Unser Weg führte uns also in Bad Schwalbach an der Molkerei von "Schwälbchen" dem Bahnhof und einer tiefen Schlucht vorbei, bis auf die andere Seite der Aarstraße, von wo wir auf einem schmalen Pfade stetig bergan schritten, mit einem festen Ziel vor Augen: BORN.

Der Weg den Arne uns empfohlen hatte - "Das dauert nur 'ne halbe Stunde"- entpuppte sich, auch wegen dem vielen Schnee, als sehr anstrengend, und mindestens genau so lang.

Doch wie sollte es anders sein, wir kamen auch irgendwann -zum Glück noch im Hellen- auf dem Borner Zeltplatz an. Gleich begannen wieder ein paar mit dem zubereiten einer lekeren und nährstoffreichen Mahlzeit, und der Rest räumte erst einmal die gut 25 cm dicke Schneeschicht vom Platz -natürlich nicht vom ganzen Zeltplatz, sondern nur von der Stelle, wo wir kurz danach unsere Kohte aufbauten.

Und an diesem Abend gingen wir schon relativ früh ins Bett, vielmehr in die Schlafsäcke. Der Gutenachtgeschichte von der kleinen Hexe bzw. von Dagny lauschten an diesem Abend nur noch zwei Ohrenpaare, der Rest schlief schon, und schnarchte zum Teil laut vor sich her und in mein Ohr, wodurch sich Dagny allerdings nicht stören lies. Erst am nächsten Morgen erfuhr sie, dass fast alle während der Geschichte eingeschlafen waren, und war leicht erbost darüber.

Das Frühstück des letzten Morgen bestand schließlich aus stahlhart gefrorenem Brot und Würsten, die wir kurz gekocht hatten.

Der Abbau ging auch wieder relativ schnell von statten, und so konnten wir uns schon gegen 13 Uhr auf den Weg nach Hause machen.

Um 15 Uhr kamen wir dann auch alle gemeinsam da an, wo wir 3 Tage vorher losgelaufen waren, an der Bleischter Hütte. Natürlich hatten wir uns in gewisser Weise alle an die Kälte gewöhnt, und so rissen wir als aller erstes sämtliche Fenster in der Hütte auf.

Und jetzt, nachdem die Schmerzen vergangener Tage schon fast wieder vergessen und die Fußzeh-Prothesen gut angewachsen sind schauen wir alle voller Stolz auf das zurück, was wir geleistet haben, zwar sind wir noch nicht so berühmt wie Reinhold Messner, aber schon lange so mutig, und die Sache mit der Prominenz wird auch noch irgendwann kommen.

Christoph Ott

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Stand: 19. Okt 1997 // Schinderhannes online / Übersicht / Erinnerungen / erinn03b.htm -